PM des Veranstalters

Seit der Antike sind karikierende Darstellungen mit ihrer Kritik an bestehenden Werten und an prominenten Persönlichkeiten ein fester Bestandteil der Politsatire. Dass das Medium der Karikatur über eine enorme Macht verfügt, wurde spätestens klar, als Großmächte während der Kriege diese „Waffe“ massiv für Propaganda nutzten. Insbesondere in den totalitären Regimen Deutschlands und der Sowjetunion wurde Karikatur zum wichtigen Kanal für die Verbreitung von Feindbildern. Auch in den Gesellschaften mit etablierter Meinungs- und Pressefreiheit agieren Karikaturisten bisweilen als Mythbusters. Sie dekonstruieren sowohl „große Erzählungen“ als auch „große Männer“ und überzeichnen sie zu den Karikaturen ihrer selbst. Dies macht sie einerseits zur Zielscheibe, verdeutlicht aber andererseits, dass das Karikieren selbst ebenfalls eine Macht ist – Deutungsmacht.

Spätestens der Streit um die Mohammed-Karikaturen und der Fall Charlie Hebdo zeigten, dass dieses Berufsbild aus diesem Grund mit vielen Risiken verbunden ist. In manchem osteuropäischen Kontext kommt hinzu, dass der Zugang zu den staatlich-kontrollierten Medien versperrt wird oder dass Karikaturisten Strafmaßnahmen und politischer Verfolgung ausgesetzt werden.

Aus diesem Grund hat sich iDecembrists e.V. zum Ziel gesetzt, 10 vielversprechenden Karikaturisten aus Osteuropa dergestalt zu schulen und zu vernetzen, dass sie ihr Schaffen effektiver und möglichst sicherer gestalten können.

Im Vorfeld  findet auch ein intensiver Austausch zwischen den beteiligten osteuropäischen Zeichnern und dem bundesweiten Verband von deutschen Karikaturisten, der Cartoonlobby statt.

Neben einem Blog, in dem die Arbeiten von Projektbeteiligten zugänglich sein werden, wird eine – vom 11. bis 13. Dezember stattfindende – Ausstellung die osteuropäische Perspektive auf Macht in allen ihren Facetten bieten: Von der repressiven Staatsmacht, über die diffuse Macht der öffentlichen Meinung bis hin zu der Macht der Medien.

Die stattfindende Podiumsdiskussion zur Eröffnung (11. Dezember, 18:00 Uhr) wird den Spieß umdrehen und reflexiv die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen der Deutungsmacht in der Politsatire, und speziell in Karikatur, beleuchten.

 


Ausstellung zur politischen Karikatur aus Belarus, Russland,  u.a. mit Sergei Elkin (Moskau) und Konstantin Kasantschew (Kiew).

Ausstellungseröffnung findet am 11. Dezember, 18 Uhr mit der Podiumsdiskussion statt: "Macht. Politische Karikatur in (Ost-)Europa"

Sergey Elkin, Karikaturist (Moskau)
Reiner Schwalme, Karikaturist, Cartoonlobbyist, Träger des diesjährigen deutschen Karikaturenpreises (Lübbenau)
Konstantin Kazanchev, Karikaturist, Geschäftsführer der Assoziation ukrainischer Karikaturisten (Kiew)
Moderation: Gemma Pörzgen, freie Journalistin - Reporter ohne Grenzen

Ausstellung: 12.-13. Dezember 2015 im silent green Kulturquartier (Altes Krematorium) Gerichtstraße 35, 13347 Berlin, von 14 bis 20 Uhr



Die Ausstellung wird im Rahmen des gleichnamigen Projekts von Dekabristen / iDecembrists e.V. mit Unterstützung vom Auswärtigen Amt in Kooperation mit Cartoonlobby e.V., Assoziation ukrainischer Karikaturisten, Reporter ohne Grenzen, n-ost, Colta.ru und ARTGESCHOSS veranstaltet.