
Pressemitteilung der Veranstalter
Der 1969 in Wien geborene und dort lebende Künstler Nicolas Mahler erhält in diesem Jahr den e.o.plauen Preis für seine gezeichneten Comics und Cartoons. Damit reiht er sich als 11. Preisträger in die Liste der Geehrten ein. Nicolas Mahler war am Donnerstag (29. Januar) zur offiziellen Vorstellung in Plauen extra aus Wien angereist.
Oberbürgermeister Steffen Zenner und der Vorsitzende der e.o.plauen-Gesellschaft Hans-Joachim Wunderlich begrüßten den Gast im Erich-Ohser-Haus.
„Es ist uns eine große Freude und Ehre, dass Nicolas Mahler den Preis angenommen hat und extra zur Verkündung angereist ist. Das unterstreicht auch noch einmal die Bedeutung des Preises und des Künstlers Erich Ohser. Die feierliche Preisverleihung findet dann zusammen mit der Ausstellungseröffnung im September statt. Wir freuen uns schon sehr auf diesen Tag, an dem Nicolas Mahler mit unserem ‚Oscar der Cartoonisten‘ ausgezeichnet wird und den e.o.plauen Preis entgegen nehmen wird“, so Oberbürgermeister Steffen Zenner.
Der Preis ist mit der Übergabe einer Kleinplastik und einem Preisgeld verbunden. Die Plastik, vom Plauener Künstler Hannes Schulze geschaffen, zeigt einen Notizblock mit Bleistift. Passend zum Stil von Nicolas Mahler, der mit einem extrem reduzierten Strich arbeitet. Er fängt in seinen Werken skurrile Charaktere ein – es entstehen minimalistische Zeichnungen mit marginalem Humor, stets auf dem Punkt.
Nicolas Mahler zeichnet vor allem Comics und Cartoons, in denen er sich häufig mit Literatur, Kunst und dem Kulturbetrieb auseinandersetzt. Er gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Comic-Künstler im deutschsprachigen Raum. Das Wirken von ihm ist geprägt von der Verbindung von Comic, Literatur und Satire. Große Bekanntheit erlangte er durch seine Comic-Adaptionen literarischer Werke, unter anderem von Franz Kafka, Thomas Bernhard, Robert Musil und Marcel Proust. Seine Arbeiten sind in seinen Büchern zu finden, die in 19 Ländern erscheinen, sowie in deutschen, österreichischen und Schweizer Zeitungen. Auch für das Satiremagazin „Titanic“ zeichnet er seit 2006 regelmäßig. Seine „Flaschko“-Comics wurden als Trickfilme adaptiert und sein Comic „Kratochvil“ wurde als Marionettenstück aufgeführt. Seit 2024 ist Nicolas Mahler künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung in Wien.
Am 12. September um 17 Uhr findet in der Galerie im Malzhaus die feierliche Preisverleihung des e.o.plauen Preises mit der Ausstellungseröffnung statt.
Die Jury für den e.o.plauen Preis hat sich in ihrer Sitzung am 13. September 2025 für Nicolas Mahler als Preisträger 2026 entschieden.
Der Jury gehörten an: Andreas Platthaus (Leiter des Ressorts Literatur und literarisches Leben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Vorsitzender der Jury zur Nominierung der e.o.plauen Preisträger), Dr. Ulf Häder (Direktor Sommerpalais Greiz), Anna Haifisch (Comiczeichnerin), Prof. Ute Helmbold (Professorin für Illustration an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig) und Petra Rank (Stadträtin Plauen) und Dr. Joanna Straczowski (Leiterin Erika-Fuchs-Haus).
Alle Informationen gibt es unter www.e.o.plauen.de.
Mehr Informationen zum 11. e.o.plauen Preisträger Nicolas Mahler gibt es auf seiner Website www.mahlermuseum.com
Selbstporträt © Nicolas Mahler
Hintergrund
Seit 1995 vergeben die Stadt Plauen und die e.o.plauen-Gesellschaft gemeinsam den e.o.plauen Preis sowie den e.o.plauen Förderpreis. Damit möchten sie einerseits Erich Ohser, sein Leben, sein Werk und Wirken ehren und andererseits „e.o.plauen“ als Sohn der Stadt im Gedächtnis bewahren. Darüber hinaus sollen bedeutende Künstler und Nachwuchskünstler geehrt werden, die mit ihrem Schaffen die künstlerischen Traditionen Erich Ohsers fortsetzen.
Der e.o.plauen Preis
Der e.o.plauen Preis der Stadt Plauen wird im dreijährigen Rhythmus vergeben.
Bisherige Preisträger waren:
• 1995 F. K. Waechter (1937-2005) Karikaturist, Zeichner
• 1999 Paul Flora (1926-2009) Zeichner, Illustrator
• 2002 Robert Gernhardt (1937-2006) Zeichner, Illustrator, Dichter
• 2005 Tomi Ungerer (1931-2019) Zeichner, Karikaturist
• 2008 Jean-Jacques Sempé (1932-2022) Zeichner, Illustrator
• 2011 Ivan Steiger (1939 – 2025) Pressezeichner, Karikaturist
• 2014 Wolf Erlbruch (1948 – 2022) Illustrator
• 2017 Barbara Henniger (1938) Karikaturistin, Buchautorin
• 2020 Michael Sowa (1945) Cartoonist, Maler
• 2023 Isabel Kreitz (1967) Comiczeichnerin
• 2026 Nicolas Mahler (1969) Comic- und Cartoon-Zeichner
Als „Oscar der Cartoonisten“ honoriert der e.o.plauen Preis das Schaffen bedeutender Künstler dieser Zeit im Genre Karikatur/Cartoon, Pressezeichnung und Buchillustration.
Der Preis ist mit der Übergabe einer Kleinplastik und einem Preisgeld von 6.000 Euro verbunden. Die Plastik, vom Plauener Künstler Hannes Schulze geschaffen, zeigt einen Notizblock mit Bleistift. Die Inschriften „Vater und Sohn“ und „e.o.plauen“ weisen auf das Schaffen und den Namen jenes Mannes hin, dessen Pseudonym Pate stand für die Bezeichnung des Preises. www.plauen.de/eoplauen
Der Zeichner Erich Ohser - e.o.plauen
Erich Ohser wurde am 18. März 1903 in Untergettengrün (Vogtland) geboren. 1907 übersiedelte die Familie nach Plauen, dort besuchte er auch die Schule. Nach einer Schlosserlehre und einem Studium an der Akademie für Graphische Künste in Leipzig, wo er auch Erich Knauf kennenlernte, arbeitete er zusammen mit diesem und mit Erich Kästner für die Plauener Volkszeitung. Im Jahr 1930 heiratete Erich Ohser seine Kommilitonin Marigard Bantzer. Im Dezember 1931 erblickte Sohn Christian das Licht der Welt.
Als Buchillustrator (für Büchergilde Gutenberg, Deutsche Verlagsanstalt und andere) und als Zeichner satirischer Szenen für Zeitungen und Zeitschriften wie - neben der Plauener Volkszeitung - die Neue Revue, die Neue Leipziger Zeitung oder den Vorwärts wurde Erich Ohser bald in ganz Deutschland bekannt. Er übernahm Illustrationsaufträge, unter anderem für Kästners erste Gedichtbände. 1929 reiste er mit Kästner nach Paris, 1930 nach Moskau und Leningrad (heute St. Petersburg). Aus dieser Zeit stammen die kraftvollen und drastischen Illustrationen zu Michail Soschtschenkos „Die Stiefel des Zaren“, die vielfach als ein Höhepunkt von Ohsers Schaffen angesehen werden.
Durch Vermittlung Knaufs zeichnete Ohser ab 1929 für den sozialdemokratischen Vorwärts. Ziel seiner satirischen Angriffe waren da auch Größen der NSDAP wie Hitler und Goebbels. Ein Jahr nach Hitlers Machtergreifung wurde Erich Ohser von der Reichspressekammer nicht in die Berufsliste aufgenommen, was faktisch ein totales Berufsverbot bedeutete. Erst nach Intervention von Johannes Weyl, dem Leiter des Zeitschriften-Zentralbüros im Verlag Ullstein - und späteren Gründer der seit 1945 in Konstanz erscheinenden Regional-Zeitung Südkurier sowie auch des Südverlags-, durfte Erich Ohser (nur) unter Pseudonym im Dezember 1934 bis Dezember 1937 die „Vater und Sohn“ - Bildgeschichten in über 150 Folgen in der Berliner Illustrirten veröffentlichen. Ohser wählte das Pseudonym „e.o.plauen“ nach den Anfangsbuchstaben seines Namens und der Stadt seiner Jugend - Erich Ohser aus Plauen.
Erich Ohser wollte nicht emigrieren. Er ging den Weg in die Anpassung. Ab 1940 drängten die Nazis Erich Ohser, für die neue, von der NSDAP entwickelte Wochenzeitung »Das Reich« zu arbeiten, ein Druck, dem er in seiner sowieso gefährdeten Situation glaubte sich nicht widersetzen zu können. Er verstand es jedoch stets, sich Forderungen nach antisemitischen Karikaturen zu entziehen.
Er, Ohser, fand im letzten Jahr des Krieges, als sich der Zusammenbruch des Dritten Reiches bereits abzeichnete, ein tragisches Ende. Wegen abfälliger Äußerungen über die nationalsozialistischen Machthaber wurde er und sein Freund Erich Knauf denunziert und verhaftet. Goebbels nahm sich persönlich der Sache an. In der Nacht vor dem Prozess vor dem Volksgerichtshof unter dessen berüchtigtem Präsidenten Roland Freisler wählte Erich Ohser am 6. April 1944 in Gestapohaft den Freitod. Der mitangeklagte Redakteur Erich Knauf wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Der gemeinsame Freund Kästner kommentierte später: „Sie wollten mit einem Minimum an Konzessionen das braune Reich überdauern. Sie hofften, es werde gut gehen, und es ging nicht gut. Sie verbargen ihre eigentlichen Talente, damit sie nicht missbraucht würden.“ e.o.plauens „Vater und Sohn“ - Bildgeschichten haben jene Zeit überdauert und bei Jung und Alt weltweit Millionen Freunde gefunden. (Quelle: Vater und Sohn, Band 1 - 3, erschienen im Südverlag Konstanz).
Das Erich-Ohser-Haus in Plauen
Vor allem Ohsers Bildgeschichten von „Vater und Sohn“ sind weltbekannt. Mit der Übernahme des Nachlasses von Erich Ohser im Jahre 2004 und der darauffolgenden Gründung der Erich Ohser-e.o.plauen Stiftung wurde der Grundstein gelegt, das Lebenswerk des bedeutenden Karikaturisten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Seit 2010 hat der Nachlass des Künstlers im Erich-Ohser-Haus, Nobelstraße 7, sein Domizil. In einem der ältesten Häuser der Plauener Innenstadt, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Vogtlandmuseum, werden seine Werke, darunter politische Karikaturen, Zeichnungen, Illustrationen und Skizzen sowie persönliche Dokumente in einem stilvollen Ambiente präsentiert. Auch die e.o.plauen Gesellschaft, die Erich Ohser-e.o.plauen Stiftung und das dazugehörige Archiv haben hier ihren Sitz.
Alle Informationen gibt es unter www.plauen.de/eoplauen und unter www.e.o.plauen.de
Die e.o.plauen-Gesellschaft
Die e.o.plauen-Gesellschaft wurde am 2. Oktober 1993 gegründet. Prof. Dr. Willi Daume, ehemaliger Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland, Dr. Rolf Magerkord, zum damaligen Zeitpunkt Oberbürgermeister der Stadt Plauen, sowie Christian H. Ohser, Sohn Erich Ohsers, gehörten unter anderen zu den Gründungsmitgliedern der e.o.plauen-Gesellschaft, die ihren Sitz in Plauen hat. Erster Präsident der Gesellschaft war der inzwischen verstorbene Willi Daume, dessen Nachfolge am 29. September 1997 der ehemalige Bundesaußenminister, Prof. Hans-Dietrich Genscher, antrat. Ihm folgte Dr. Karl Gerhard Schmidt. Derzeitiger Vorsitzender ist Hans-Joachim Wunderlich.
e.o.plauen Förderpreis
Den e.o.plauen Förderpreis, der bisher 10 Mal vergeben wurde, erhielt 1997 die gebürtige Ostberlinerin Anke Feuchtenberger, ihr folgte im Jahr 2002 der aus Radeberg bei Dresden stammende und heute in Berlin tätige Grafikdesigner Volker Schlecht. 2005 folgte der Illustrator und Karikaturist Frank Hoppmann aus Münster, 2007 erhielt den Preis der Berliner Comiczeichner Jens Harder und 2010 wurde die Hamburger Comiczeichnerin Line Hoven geehrt. 2013 erhielt die Leipzigerin Renate Wacker die Auszeichnung, 2016 die Leipziger Zeichnerin und Illustratorin Anna Haifisch. 2019 wurde die ebenfalls in Leipzig wohnende Lina Ehrentraut mit dem Preis geehrt und 2022 Sumi Rho und 2025 Michèle Fischels. Der Förderpreis ist mit einem Preisgeld von 4.000 Euro dotiert. Dieser selbst stellt eine stilisierte silberne Zeichenfeder dar und wurde vom Plauener Silberschmied Mathias Heck geschaffen.