Pressemitteilung der Veranstalter
Diagnose gestellt: Internist Jan Klocke gewinnt Gold beim 27. Deutschen Karikaturenpreis
Siegercartoon von Jan Klocke
Dresden, 8. November 2026 Der Berliner Cartoonist Jan Klocke erhält für seine Karikatur »Tumortherapie« den Geflügelten Bleistift in Gold. Silber geht an Leonard Riegel aus Frankfurt am Main, Bronze an Teresa Backmund. Bester Newcomer ist Maxim Seehagen. Den Publikumspreis 2025 nahm Teresa Habild entgegen.
Ärztlicher Rat war beim Deutschen Karikaturenpreis in diesem Jahr gleich doppelt gefragt: Mit dem Internisten Jan Klocke und der Anästhesistin Teresa Backmund stehen zwei Mediziner:innen auf dem Siegertreppchen. Heute Vormittag wurden im Schauspielhaus Dresden die Geflügelten Bleistifte des 27. Deutschen Karikaturenpreises verliehen. Unter dem Motto »Reif für die Therapie« hatten sich 265 Karikaturist:innen mit weit über 1.000 Werken am Wettbewerb beteiligt.
Nach dem Gastspiel in Bremen im Vorjahr kehrte die Preisverleihung nach Dresden zurück. Kabarettistin Sybille Bullatschek und Autor Peter Ufer führten durch die heiter-pointierte Matinee, die Jindrich Staidel Combo sorgte für Musik zwischen Jazzclub, Kabarett und tschechischem Dorffest.
Die Preisträger:innen 2026
Gold: Jan Klocke, »Tumortherapie«. Der Geflügelte Bleistift in Gold, dotiert mit 4.000 Euro, geht an den Berliner Jan Klocke. Seine Karikatur zeigt einen Patienten, dem ein lilafarbener Tumor aus dem Rücken wuchert. Doch statt zu operieren, will der Arzt das Geschwür »inhaltlich stellen«. Die Jury: »Wir wissen längst, was wir gegen den Klimawandel, den Rechtsextremismus oder die großen Tech-Konzerne unternehmen müssten, aber wir scheuen uns, das Messer anzusetzen.« Klocke, Jahrgang 1989, ist Internist in einer großen Klinik und Vater von drei Kindern und einem Mops. Zwischen Visite und Spielplatz bringt er seine Ideen zu Papier. Seit 2024 veröffentlicht er seine Cartoons auf Deutsch und Englisch in den sozialen Medien. Der Gold-Bleistift ist seine erste Auszeichnung.

2. Platz für Leonard Riegel
Silber: Leonard Riegel, »Merzwanderer«. Den mit 3.000 Euro dotierten Silbernen Bleistift erhält der Frankfurter Leonard Riegel. Er schickt den Kanzler in die idyllische Hügellandschaft des Sauerlands, wo die Welt noch in Ordnung ist und der Draht zu den Sorgen der Menschen fehlt. Die Jury: »So schafft es Friedrich Merz selbst angesichts größter Nöte nicht, seine Hand auszustrecken, und damit steht er sinnbildlich für die Therapiebedürftigkeit der Bundespolitik.« Riegel, 1983 in Göttingen geboren, studierte an der Kunsthochschule Kassel. Seit 2014 ist er Redakteur beim Satiremagazin Titanic und verantwortet dort die Rubriken Cartoon und Bildwitz. Seine Arbeiten erschienen unter anderem in FAZ und taz, 2015 erhielt er den Sondermann-Förderpreis für Komische Kunst.

3. Platz für Teresa Backmund
Bronze: Teresa Backmund, »Quereinsteiger«. Der Bronzene Bleistift, dotiert mit 2.000 Euro, geht nach Leipzig. Teresa Backmund zeigt eine Psychotherapeutin im Blaumann, die ihre professionelle Hilfe nun einem lahmgelegten Auto widmet. Die Jury: »Bei lockeren Verbindungen geht es manchmal um die
Schraube, häufig aber um die Mutter – dieses Wissen teilen KFZ-Mechaniker und Psychotherapeut*innen. Die ausgebildete Anästhesistin ist 1989 geboren und zeichnet seit einigen Jahren wieder, vor allem Cartoons. Seit 2022 veröffentlicht sie ihre Arbeiten auf Instagram unter dem Namen »Auticipated«

Cartoon vom Besten Newcomer Maxim Seehagen
Bester Newcomer: Maxim Seehagen, »Eine unruhige Nacht«. Der Newcomer-Preis, dotiert mit 1.000 Euro, geht an Maxim Seehagen. In seiner Karikatur reißt Kanzler Merz einen Bürger um exakt 3.14 Uhr mit dem Weckruf »Faule Sau!« aus dem Schlaf. Die Jury nennt ihn »einen jungen Zeichner im Pelz des alten Hasen«. Der 1999 in Bad Gandersheim geborene Seehagen ließ schon mit elf Jahren seine ersten Comichefte drucken. Für seine Comicstrip-Serie mit rund 400 Folgen erhielt er den Münchner Comicpreis. Hauptberuflich ist er beim Landkreis Northeim für die Digitalisierung zuständig, seine Cartoons erscheinen seit 2023 in Zeitungen, Büchern und online.
Publikumspreis 2025: Teresa Habild, »Schulkiosk«. Zum Abschluss der Gala wurde der Publikumsliebling des Vorjahres geehrt. Besucher:innen der Ausstellungen zum Motto »Jetzt seid ihr dran!« in Dresden, Bremen und Agathenburg hatten abgestimmt. Ihre Wahl fiel auf Teresa Habild und ihre Karikatur »Schulkiosk«.
Die Ausstellungen
Die besten Arbeiten des Wettbewerbs sind ab sofort in drei Ausstellungen zu sehen. Besucher:innen in Dresden und Bremen können dort auch für ihren Favoriten abstimmen und so den Publikumspreis 2026 vergeben.
Dresden, Haus der Presse, Ostra-Allee 20: 9. November 2026 – 21. Februar 2027
Bremen, Bremische Bürgerschaft, Am Markt 20: 24. November 2026 – 5. Februar 2027, Eintritt frei
Agathenburg (bei Hamburg), Schloss Agathenburg: 4. März – 21. April 2027
Der Katalog
Zum Blättern, Mitlachen und Verschenken: Auf 128 Seiten präsentieren 115 Karikaturist:innen ihre Rezepte gegen den täglichen Irrsinn. Der Katalog ist ab 9. November im Buchhandel und im Onlineshop unter www.ddv-lokal.de erhältlich.
Der Preis
Er ist der Oscar der deutschsprachigen Karikaturen- und Cartoonszene: der Deutsche Karikaturenpreis mit seinen mit insgesamt 11.000 Euro dotierten Geflügelten Bleistiften. Jedes Jahr beteiligen sich rund 250 Künstler:innen mit über 1.000 Einsendungen zu einem wechselnden Thema. Nach der
Preisverleihung ist eine große Auswahl der Arbeiten in Dresden und Bremen zu sehen, den Heimatstädten der beiden Ausrichter SÄCHSISCHE ZEITUNG und WESER-KURIER. Ins Leben gerufen wurde der Preis im Jahr 2000 von der SÄCHSISCHEN ZEITUNG, seit 2016 ist der WESER-KURIER mit im Boot. Medienpartner sind auch 2026 Deutschlandfunk und MDR SACHSEN.
Weitere Informationen auf www.deutscherkarikaturenpreis.de !